Überhaupt nicht last minute

Es kommt so plötzlich, wie immer. Weihnachten steht vor der Tür. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren und Geschenke wollen besorgt werden. Aber was tun, wenn man einfach nicht genügend Geschenkideen für seine Lieben parat hat? Gar kein Problem. Seien Sie ganz unbesorgt.

Sie müssen nicht in Hektik verfallen und brauchen keinen Stress aufkommen zu lassen. Es ist nicht notwendig, sich mit schweren Tüten abzuschleppen oder lustlos und mit schlechtem Gewissen noch schnell etwas in den Warenkorb eines Onlineshops zu packen.

Entspannung ist angesagt. Denn das schönste Geschenk haben Sie bereits bei sich.

Es ist sogar schon sorgfältig eingepackt, liebevoll mit einer Schleife versehen. Dann noch ein nettes Lächeln dazu und schon können Sie Ihr Geschenk überreichen. DIE ZEIT.

Die Zeit haben wir immer bei uns, zu unserer vollen Verfügung. Wir können selbst entscheiden, was wir mit ihr machen. Wem geben wir unsere Zeit? Vielleicht lassen wir uns von den Mitarbeitern der Zeit-Spar-Kasse die Zeit stehlen. Das sind die berüchtigten „grauen Herren“, so wie Michael Ende sie in seinem Roman „Momo“ beschrieben hat. Sie tragen bleigraue Aktentaschen und rauchen kleine, aschfarbene Zigarren. Die Zigarren sind aus den Blüten der Stunden-Blumen gemacht, die sie den Menschen entreißen. Es ist eiskalt in der Nähe der grauen Herren.

Oder geben wir unsere Zeit der Familie, den Kindern und den Freunden? Miteinander reden und lachen, gemeinsam Dinge erleben und neue Aktivitäten ausprobieren. Singen, tanzen, spielen, Spaß haben!

„Ich wünsche mir gemeinsame Zeit mit Dir.“ Was man in jungen Jahren genervt abtut, versteht man im Laufe des Lebens immer besser.

Viel Freude beim Verschenken Ihrer Zeit!

Bild: #183663780 von masson stock.adobe.com


 

BILDGEWORDENE ERINNERUNGEN

Wann haben Sie zuletzt in einer Fotokiste gekramt? Das ist vermutlich lange her. Es ist bedauerlich, aber die digitale Fotografie braucht keine Schuhkartons mehr. Dabei wird geknipst wie nie zuvor, immer und überall machen wir Schnappschüsse mit unserem Handy. „Take a picture, take a picture!“ Wir laufen durch unser Leben wie asiatische Touristengruppen durch Rothenburg ob der Tauber.

Hinzu kommen die vielen Selbstporträts. Selfies belegen sozusagen die eigene Existenz. Und überall in den sozialen Medien findet eine Art Selbstinszenierung statt, die nur mit Bildern lebendig wird.

Aber was passiert mit diesen vielen Fotos? Wir schauen sie nur noch auf dem Bildschirm an, es gibt sie nicht mehr auf Papier. Einmal erstellt, fristen sie ihr Dasein im Speicher des Smartphones oder in der Cloud.

Hier sei ein sentimentales „Ach, damals!“ erlaubt. Denn damals war das irgendwie beschaulicher.

Da konnte man die Fotos noch anfassen. Unsortierte und vergilbte Fotografien mit Büttenrand, gefolgt von Polaroids aus der Sofortbildkamera in künstlichen Farben, alle in einem Karton. Abgegriffen, durcheinandergewürfelt, immer wieder angeschaut. Wenn auf der Rückseite kein Datum notiert war, ging das Rätselraten los. „Wann war das denn? Warte mal, Mama und Papa haben 1962 geheiratet, danach kam Stephan zur Welt ... das muss 1965 gewesen sein.“

Wenn ein lieber Mensch von uns gegangen ist, bekommen diese alten Fotografien eine noch höhere Wertigkeit. Sie halten den kostbaren Augenblick fest, den liebevollen Moment, die lustige Situation, in der wir gemeinsam gelacht haben.

Ein Foto ist eine zu einem Bild gewordene Erinnerung. Und Erinnerungen sollten nicht in der anonymen Masse der Megabytes untergehen.

Wann machen wir unsere nächste Fotokiste?

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DAS HÖRBUCH FÜR HINTERBLIEBENE

Ich vermisse meine Mama so sehr. Vor allem ihre Stimme.“

So geht es vielen, die einen geliebten Menschen verloren haben. Noch einmal die vertraute Stimme zu hören, das ist ein oft gehörter Wunsch von Trauernden. Die Stimme hat viel mit „Stimmung“ zu tun. Sie sagt eine Menge über die Persönlichkeit und über die Gefühlswelt des Menschen aus. Gerade deswegen fehlt die Stimme im Leben der Hinterbliebenen. Der geliebte Mensch mit all seinen Facetten, seinen Stimmungen, seiner Ausstrahlung ist nicht mehr da. Es fühlt sich an, als wäre die Stimme unwiederbringlich.

Diese Gedanken hatte auch die Journalistin Judith Grümmer aus Köln und entwickelte daraus ihre Dienstleistung und ein beeindruckendes Produkt. Sie bietet ihren Kunden die Produktion von individuellen Hörbüchern an.

In diesen Hörbüchern erzählen die Menschen aus ihrem Leben. Die eigene Biografie, Geschichten und Erlebnisse sowie Erfahrungen werden so für die Nachwelt bewahrt. Die Stimme des Menschen, die eigene Art des Erzählens und die unverwechselbare Persönlichkeit werden so unsterblich. Die Hörbücher sind dadurch in hohem Maße authentisch, glaubwürdig und persönlich.

„Alles, was Stimme hat, überlebt“, so Judith Grümmer, deren Arbeitsschwerpunkt vor allem in der Begleitung von Palliativpatienten liegt. Im Rahmen eines im März 2017 angelaufenen Forschungsprojektes der Klinik für Palliativmedizin am Universitätsklinikum Bonn bietet sie insbesondere schwer erkrankten Müttern und Vätern an, mit ihr gemeinsam Familienhörbücher für ihre noch minderjährigen Kinder zu erarbeiten.

Die Patienten erzählen aus ihrem Leben, darüber, was ihnen wichtig ist und was sie weitergeben möchten. Es wird geplaudert, gelacht, geweint oder gesungen. Unter dem Motto „Was ich Euch noch sagen wollte“ entstehen so besonders emotionale und individuelle Erinnerungen.


 

Darf man das ?

Der Umgang mit den Themen Tod und Trauer unterliegt vielen Konventionen, die wir übernehmen und zu selten hinterfragen. Wir handeln dann entsprechend, weil es schon immer so gemacht wurde, weil die Verwandtschaft es so erwartet oder weil die Nachbarn sonst reden. Und gerade in Zeiten der Trauer treffen wir eher konservative Entscheidungen, denn wir möchten nichts falsch machen.

Aber stellen wir uns ruhig des Öfteren mal die Frage „Darf man das?“ Und vielleicht kommen wir zu dem Schluss, dass vieles möglich ist und sein darf.

 

Darf man bei einer Beerdigung lachen? Wir finden, dass alle Emotionen Raum finden sollten. Wenn wir eine Packung Taschentücher verweint haben, können wir im nächsten Moment lachen, weil wir uns an eine lustige Begebenheit aus dem Leben des Verstorbenen erinnert haben. Es ist ein Auf und Ab der Gefühle. Und alle Gefühle dürfen sein.

Wenn wir über Konventionen sprechen, dann gehören dazu auch ungewöhnliche Ideen für einen Abschied. Warum nicht am Grab bunte Luftballons aufsteigen lassen, gemeinsam ein schönes Lied anstimmen, ganz bewusst keine schwarze Kleidung tragen oder Fotos von fröhlichen gemeinsamen Erlebnissen am Sarg aufstellen?

Geht es nicht auch darum, das Leben des Verstorbenen voller schöner Erinnerungen zu feiern? Im nächsten Augenblick können wieder Tränen da sein und es bleibt Raum, den Tod zu beweinen.

Vergessen wir nicht: Ein Abschied kann ein Anfang sein. Ein Anfang einer wertvollen Erinnerung, die für immer bleibt.

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 GUTE WÜNSCHE AN DIE LEBENDEN

 

 WAS WÜNSCHEN WIR UNS, WENN WIR UNS VORSTELLEN UNSER LEBEN WÄRE AM ENDE?

Wir möchten sicher sein, dass unsere Lieben und Angehörigen Trost und vor allem auch Zuversicht spüren. Niemand möchte mit dem Gefühl gehen, dass aus Tränen eine lebenslange Verzweiflung oder Ausweglosigkeit bei den Menschen entsteht, die einem besonders nahe stehen.

Und das ist es, wie wir Trost empfinden können. Wenn wir als Hinterbliebene ganz genau wissen, dass es der Wunsch des Verstorbenen gewesen wäre, uns nicht so traurig zu sehen.

Eine schöne Idee ist es, unsere Wünsche an die Lebenden schon heute zu formulieren.

Sie könnten lauten:

Lach wieder und sei fröhlich, auch ohne mich!

Sei stark und tapfer.

Hab keine Angst.

Gehe Deinen Weg mutig weiter.

Du schaffst das.

Gib niemals auf.

Verwirkliche Deine Träume.

Betrachte jeden Tag als Geschenk.

Verliebe Dich, liebe und genieße Dein Leben.

Denk dabei manchmal an mich. Ich bin bei Dir.

 

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DAS LEBEN IST VERÄNDERUNG

Einatmen, aufatmen, durchatmen! Den Duft der ersten zarten Knospen und Blumen wahrnehmen. Frühlingsduft – und zwar endlich nicht mehr nur aus der Weichspüler-Flasche, sondern draußen in der Natur. Die Vögel begrüßen uns morgens mit fröhlichem Gezwitscher und die Sonne taucht die Welt in ein wärmeres Licht. Wie haben wir uns danach gesehnt!

Das, was der Frühling uns jedes Jahr bringt, ist Veränderung. Alles verändert sich, alles endet irgendwann, damit etwas Neues beginnt. Eine Tür schließt sich, eine andere Tür geht auf. Es ist nicht viel Schlimmes daran, dass eine Blume verwelkt. Warum eigentlich nicht? Weil eine neue Blume wächst. Niemand ist traurig darüber, dass jeden Abend ein Tag zu Ende geht. Denn es kommt ein neuer Tag.

PANTA RHEI − ALLES FLIESST

 

So formulierte Platon die sogenannte Flusslehre Heraklits. Die Flusslehre besagt, dass alles fließt und nichts bleibt. Es gibt nur ein ewiges Werden und Wandeln. So, wie das Wasser im Bach immer in Bewegung ist, so sind alle Lebewesen, Pflanzen und Dinge in der Welt immer in Veränderung. Nichts bleibt, wie es ist. Ein Leben vergeht und es kommt ein neues Leben. Wenn alles fließt, dann ist das ein tröstlicher und vor allem zuversichtlicher Gedanke.

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WENN TRAUERN EIGENTLICH LIEBEN HEISST

 

Warum tut es so weh, wenn wir trauern? Wir wären nicht traurig, wenn wir den verlorenen Menschen nicht geliebt hätten. Der Schmerz begründet sich auf dem Gefühl des Verlustes. Ein von uns geliebter Mensch ist plötzlich nicht mehr da. Wir können ihn nicht mehr sehen, nicht mehr mit ihm sprechen, ihn nicht mehr in den Arm nehmen. Wir können ihm unsere Liebe nicht mehr zeigen.

Das meinen wir jedenfalls zunächst. Erst später und rückblickend verstehen wir, dass wir die Liebe trotzdem noch spüren und auch versprühen können. Unseren verstorbenen Eltern können wir jederzeit liebevolle Gedanken schicken. Und so leben sie fort. In unseren Herzen sind sie bei uns – immer.

Durch das Gefühl der Trauer können wir so viel lernen. Wenn wir in Verbindung zu anderen Menschen gehen, dann entsteht Trost. Alle Menschen wollen glücklich sein. Jeder von uns sehnt sich nach Liebe und Verbundenheit. Wenn wir also trauern, dann kann es uns helfen, uns bewusst zu machen, dass wir mit diesem Gefühl nicht alleine sind. Viele Menschen haben geliebt und diesen Schmerz des Verlustes erlebt. Wenn wir uns mitfühlend anderen zuwenden, dann wird uns das bewusst. Durch die Verbindung zu anderen und das Verständnis für ihre Gefühle empfinden wir Zugehörigkeit. Wenn Menschen in Zeiten der Trauer auf uns zukommen und uns zeigen, dass sie unseren Schmerz verstehen, dann empfinden wir Trost.

Wenn trauern eigentlich lieben heißt und wenn die Liebe über den Tod hinaus bleibt, dann entsteht Sinnhaftigkeit.

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MIT KINDERN ÜBER

DEN TOD REDEN

„Wie passt Opa in die Urne? Und wann wacht Oma wieder auf?“

Wenn ein Familienmitglied stirbt, stellen Kinder manchmal Fragen, die einen Erwachsenen zum Schmunzeln oder aber zum Weinen und Verzweifeln bringen. Wie soll man einem Kind „für immer“ erklären, wenn es erst im Grundschulalter ein ausgereiftes Verständnis und Gespür für Zeit entwickelt?

Kinder fragen nur so viel, wie sie auch verstehen können

Eltern wollen ihre Kinder vor dem Negativen im Leben beschützen. Der Tod ist in seiner endgültigen und grausamen Art die Ausgeburt des Bösen – so scheint es. Und trotzdem brauchen Kinder Erklärungen, warum beispielsweise der Papa gestorben ist. Was hatte er für eine Krankheit? War es ein Unfall? Hat er sich selbst das Leben genommen? So schwer die Wahrheit im ersten Moment über die Lippen kommen mag, auch hier gilt die Regel: Ehrlich währt am längsten. Kinder spüren, wenn ihnen nicht die Wahrheit gesagt wird und z.B. von einem Unfall die Rede ist, obwohl der Mensch Suizid begangen hat. Auch wenn die Angehörigen das Kind durch eine (Not-)Lüge schützen wollen, ist es für dieses ein massiver Vertrauensbruch. In Unwissenheit malen sich die Kinder in ihrer Fantasie die tabuisierte Todesursache noch viel grausamer aus und geben sich ggf. selbst eine Teilschuld daran. Auch deshalb ist es wichtig, miteinander über alle Unsicherheiten, Fragen und die eigenen Gefühle zu sprechen. Kinder wollen wissen, was geschehen ist und wie es weitergeht. Seien Sie also ehrlich, aber überfordern Sie die Kinder nicht mit zu vielen Informationen und dem eigenen Kummer. Die jüngsten Familienmitglieder wissen meistens ganz genau, wie viel sie wissen möchten. Wenn die Informationen ausreichen, fragen sie nicht weiter oder beschäftigen sich mit anderen Dingen. Wichtig ist, die Kinder mit ihren Fragen ernst zu nehmen und auf Augenhöhe zu kommunizieren.

Die meisten Missverständnisse und Konflikte entstehen, wenn die Eltern in einem tiefen Meer aus Trauer gefangen sind, aber ihre Kinder schon wieder lachen können. In einem Moment sind sie noch zu Tode betrübt, im nächsten schon wieder himmelhoch jauchzend. Sie können lachen und spielen: Dieses Verhalten ist bei Kindern nach einem Verlusterlebnis normal. In manchen Phasen trauern auch Kinder mit Leib und Seele. Ein gesagtes Wort, ein Gegenstand oder andere banale Dinge können der Auslöser sein. Im nächsten Moment wischen sie sich die Tränen aus dem Gesicht und widmen sich etwas anderem – und zwar in einem Tempo, das für Erwachsene emotional schwer nachvollziehbar ist. Vorwürfe à la „Du trauerst gar nicht richtig“ sind hier fehl am Platz.

Wenn in einer Familie ein Mensch stirbt, gerät das ganze System, so wie es vorher war, aus dem Gleichgewicht. Kinder trauern anders als Erwachsene und haben mitunter ein noch nicht ganz ausgereiftes Todesverständnis. Deshalb sollte man ihnen die Situation erklären. Wenn die Eltern dafür selbst nicht die Kraft aufbringen können, ist es ratsam, Familienangehörige und Freunde oder aber auch eine/n Trauerbegeleiter/in um Unterstützung zu bitten. Das Wichtigste ist, den Kontakt zueinander nicht zu verlieren und immer wieder miteinander zu sprechen und zu akzeptieren, wenn jeder auf seine individuelle Art und Weise trauert.

Bild: Wiebke Jahns


„TRADITION IST NICHT DAS HALTEN DER ASCHE, SONDERN DAS WEITERGEBEN DER FLAMME.

THOMAS MORUS

Traditionen sind in allen Zeiten und zu allen Anlässen gute Begleiter für uns Menschen. Denn sie geben Sicherheit und Vertrauen und lassen uns recht ruhig auch unangenehme Momente und Ereignisse überstehen.

Traditionen passen sich an und geben jeder Generation einen eigenen Zugang und eigene Gestaltungsmöglichkeiten, die Basis aber bleibt verlässlich und stabil.

 

Es ist gar nicht so einfach, herauszufinden, woher welche Traditionen tatsächlich stammen und warum sich die ein oder andere über Generationen hinweg festgesetzt hat. Mal sind es kirchliche Ursprünge und mal gesellschaftliche und auch behördliche Regeln, die sich über Jahrzehnte verankert haben.

Trotzdem gibt es sie, die „News“ für alte Traditionen, auch zum Thema Bestattungen und Abschiede heute, eingebettet im traditionellen Rahmen: Baumbestattungen, Wiesenbestattungen oder auch Flussbestattungen können schon häufig vorkommende Beispiele hierfür sein, eine Weltraumbestattung oder eine Bestattung aus dem Heißluftballon wird noch selten, wenn überhaupt, durchgeführt.

Vielleicht ist mit dem Weitergeben der Flamme aber eben genau die Verbindung von Tradition und „News“ gemeint, eine menschliche Mischung aus Sicherheit und Neugier.

Ob sich wirklich die auf der kürzlich in Hamburg stattfindenden Bestattermesse „Happy end“ vorgestellten Bestattungsmöglichkeiten aus Amerika (Resomation) und Schweden (Promession) durchsetzen können, darf wohl stark bezweifelt werden. Eine ausführliche Erklärung an dieser Stelle lohnt sich deshalb (noch) nicht.

Nehmen Sie Ihre eigene Flamme in die Hand.

Bildnachweis: By Dietmar Rabich - Self-photographed, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=54398721


DIE ANGST VOR DEM TOD IST EIGENTLICH DIE ANGST VOR DEM LEBEN

In unseren Büros und Arbeitsstätten sehen wir jeden Tag die gleichen Gesichter, gehen den gleichen Tätigkeiten nach, werden müde und verbringen den Abend vorm Fernseher. Der Job wurde innerlich längst gekündigt, aber am Wochenende fehlt die Kraft, Konsequenzen zu ziehen und dementsprechend Taten folgen zu lassen. Ist es Trägheit? Ist es die Angst vor dem Ungewissen? Fehlt es an Kraft, aus dem Hamsterrad der Gewohnheiten auszubrechen?

Ist Ihnen einmal aufgefallen, dass die Menschen, die in ihrem Leben tatsächlich eine radikale Wende einleiten, oft etwas Einschneidendes erlebt haben? Häufig ist es die Begegnung mit der Endlichkeit in verschiedensten Facetten: Flüchtlinge aus Kriegsgebieten, die dem Tod ins Gesicht gesehen haben, bauen sich ein neues Leben auf. Und Menschen, die einen Angehörigen verloren haben, stellen ihr eigenes Leben in Frage, werden Künstler und fangen an, bewusster zu leben. Sie sprechen davon, dass sie nun wissen, was wirklich im Leben zähle, und sie ihrer wahren Berufung folgen wollen. Es werden wohltätige Stiftungen gegründet, die etwas Gutes bewirken und gleichzeitig an die verstorbene Person erinnern.

Deshalb frage ich mich: Warum sagen so viele Menschen „vielleicht“, anstatt aus tiefstem Herzen eine Entscheidung für oder gegen etwas zu treffen? Erwachsen sein heißt doch auch, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Warum fangen wir nicht jetzt gleich an, sondern schieben es auf „irgendwann“? Irgendwann könnte es nämlich zu spät sein. Daran möchten die meisten Leute jedoch nicht denken. Wir wollen alle im Moment leben und die Zeit genießen. Stattdessen regieren uns Ängste und Unsicherheiten. Da wird die Freizeit lieber vorm Computer verbracht, anstatt wenigstens einmal mit dem großen Zeh außerhalb der Komfortzone zu spüren, dass wir dort auch festen Boden unter den Füßen haben.

Ich kenne unzählige Menschen, die auf ihre Rente hinfiebern, aber auch Menschen, die ihren Ruhestand gar nicht mehr erlebt haben. Ein Jahr, zwei Jahre oder vierzig Jahre vor oder nach Renteneintritt – es ist ungewiss, wann wir sterben werden. Einmal traf ich einen jungen Familienvater, der zwei Jobs ausübte, um sich dieses Leben mit Haus, Kind und Auto finanzieren zu können. Als ich ihn fragte, ob er denn auch Zeit zum Leben habe, antwortete er: „Leben kann ich auch noch, wenn ich Rentner bin.“ Ein paar Tage vorher sprach ich mit einem Rentner, der gerade gemeinsam mit seiner Frau den Alterswohnsitz plante. Genug Geld war vorhanden, denn er hat ein Leben lang viel gearbeitet und dabei gutes Geld verdient. Wehmütig blickte er gedanklich zurück und verriet mir: „Ich wollte immer einen Segelschein machen. Aber jetzt ist es dafür auch zu spät.“ Es war sein größter Traum, den er nie verwirklicht hat.

Was hat der Tod damit zu tun? Ganz einfach. Ich versuche manchmal, mein Leben rückwärts zu denken, und stelle mir vor, wie ich auf dem Sterbebett liege und auf bestimmte Situationen in meinem Leben zurückblicke. Es zwingt mich dazu, mein Handeln zu hinterfragen und mein Leben nicht einfach passieren zu lassen. Ich frage mich dann: „Wie würde ich auf diese Entscheidung zurückblicken? Würde ich etwas bereuen? Ist es das Leben, das ich führen möchte?“ Wenn die Antwort „Nein“ lautet, muss ich Konsequenzen ziehen und etwas ändern. Das kann eine Trennung sein, eine Kündigung etc. Auf jeden Fall bedeutet es, dass man seine gewohnten Bahnen verlässt und Mut aufbringen muss. Vor Veränderungen scheuen sich viele. Sie haben Angst. Aber nicht die Angst vor dem Tod, sondern vor dem Leben selbst hindert die meisten Menschen daran, das größtmögliche Potenzial aus ihrem Leben zu schöpfen. Unsicherheiten und ein ewiges „Was wäre, wenn?“ bestimmen das Denken und somit auch das Handeln.

Es ist also nicht das Verdrängen des Todes, das uns zu glücklicheren Menschen macht, sondern gerade die Konfrontation und Auseinandersetzung – letztendlich die Akzeptanz der eigenen Endlichkeit –, die den Menschen zum Handeln bringt und ihn so aus seinem eigenen Gefängnis befreit. Wir sind keine Opfer des Lebens. Wie wir eine Situation bewerten und welche Impulse wir unserem Leben geben, haben wir selbst in der Hand.

Bild: Wiebke Jahns


PER ANHALTER BIS ZUM LEBENSENDE UND WIEDER ZURÜCK

 

Jede Zeit hat ihre Rebellen. Sie schwimmen gegen den Strom und tun das, was andere verurteilen – das, wovor andere Angst haben, und das, wofür sie belächelt werden. Das Reisen per Anhalter ist zwar seltener geworden, aber noch lange nicht tot. Auf meinen Reisen bin ich den verschiedensten Menschen begegnet: jung, alt, unterschiedlicher Herkunft, Männer, Frauen. Was alle eint, ist die Tatsache, dass ihr Leben endlich ist.

 

Einen Schicksalsschlag sieht man keinem an der Nasenspitze an und doch hat jeder sein eigenes Päckchen zu tragen. Der Mensch wurde oder wird irgendwann im Leben mit der Endlichkeit desselben konfrontiert. In diesen vermeintlich flüchtigen Begegnungsmomenten beim Reisen per Anhalter wird das Auto zur mobilen Sprechstunde. Man steigt zu Unbekannten ins Auto und nach der gemeinsamen Fahrt sieht man sich mit großer Wahrscheinlichkeit nie wieder.

Wenn ein Mensch stirbt, sind die eigenen Freunde der traurigen und ewig gleichen Geschichten irgendwann überdrüssig geworden. So öffnen sie einem völlig fremden Menschen während einer Autofahrt ihr Herz und reden sich den Kummer von der Seele. Auf der Strecke von Bielefeld Richtung Frankfurt begegnete ich einem Mann, der wenige Wochen zuvor seine Lebensgefährtin verloren hatte. Er erzählte, wie er versuchte, sie wiederzubeleben, und sie schließlich in seinen Armen starb. 51 Jahre. Das ist eigentlich kein Alter, um zu sterben. Doch der Tod hält sich nicht an Regeln. Er kennt kein Gesetz. Niemand weiß, wann der Tag gekommen ist. Beim Trampen bin ich mir dessen mehr als bewusst. Häufig werde ich gefragt, ob ich denn keine Angst habe, dass mir etwas zustoßen könnte. Natürlich ist das möglich, aber ich versuche, es zu verdrängen – genauso erfolgreich, wie andere ihre eigene Sterblichkeit verdrängen. Wo die Angst regiert, brauche ich gar nicht erst zu beginnen, mein Leben zu leben.

Viele der Begegnungen und Gespräche haben mich gelehrt, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema Tod wichtig ist, aber die Angst vor dem Tod, vor Unfällen, Terror, Naturkatastrophen und Flugzeugabstürzen nicht unser Leben regieren darf. Eine Frau erzählte mir von dem Tag, als ihre Mutter starb. Sie hatte sie gepflegt, sich gekümmert und sie bis zuletzt begleiten dürfen. Dabei zu sein, wie ihre Mutter den letzten Atemzug tat, war für sie eine sehr tröstliche Erfahrung. Aus ihrem Mund klang es so wahrhaftig und ehrlich. Natürlich geht jeder Mensch anders damit um, wenn ein nahestehender Mensch stirbt. Darauf kann man sich nicht vorbereiten. Aber sich vor dem Tod nicht zu verschließen, hilft dem Menschen auf so vielen Ebenen:

Wie möchte ich mein eigenes Leben gestalten?

Welche Aufgabe habe ich, während ich auf dieser Erde weile?

Was gibt meinem Leben einen Sinn?

Welche Menschen sind mir wichtig und von welchen sollte ich mich trennen oder distanzieren? Wer tut mir wirklich gut?

Warum müssen viele Menschen erst den radikalsten Schicksalsschlag – den Tod eines Angehörigen – erleiden, um sich diesen existenziellen Fragen zu stellen? Das Reisen per Anhalter ist darum auch eine Reise zu mir selbst. Die Begegnungen führen mir die unterschiedlichsten Lebensgeschichten vor Augen. Zwei Menschen, in einem Raum. Ich bewerte nicht, höre nur zu und bin einfach da. Das ist, was ich zurückgeben kann. Der Tod eint die Menschen, denn früher oder später ist jeder betroffen. Ganz egal, ob zwei Menschen z.B. politisch einer Meinung sind, ob sie gleich alt sind oder Generationen zwischen ihnen liegen. Das spielt keine Rolle, wenn wir uns gegenseitig mit Wohlwollen begegnen und aufhören, den Tod zu verdrängen. Wenn wir endlich anfangen, offener darüber zu sprechen, fühlen sich auch Trauernde nicht mehr so alleingelassen. Natürlich dränge ich das Thema niemandem auf, aber je natürlicher der eigene Umgang damit ist, desto unbefangener begegnen wir unserem eigenen Leben und dem Tod. So versuche ich, mit gutem Beispiel voranzugehen, und bin noch lange nicht müde.

Bild: Wiebke Jahns


AUCH MAL BALLAST ABWERFEN – ÄUSSERLICH & INNERLICH

Spätestens bei einem Umzug wird uns meist bewusst, wie viel „Kram“ sich eigentlich in den letzten Jahren angesammelt hat. Einen Teil davon können wir sicherlich rechtzeitig aussortieren, vermutlich wird aber einiges wieder im Keller oder auf dem Dachboden verschwinden – bis wir dann das nächste Mal umziehen und der ganze Spaß von vorne beginnt. Es ist vertrackt: Etwas endgültig wegzugeben, fällt uns häufig schwer. Das heißt aber noch lange nicht, dass wir es wirklich brauchen. Und so schleppen wir immer mehr mit uns herum als eigentlich nötig wäre.

Dabei kann es sehr erleichternd sein, sich von Dingen zu trennen.

Wie beim Heißluftballon, der mit dem Abwerfen der Sandsäcke höher steigen kann.

Wenn wir keine Verwendung mehr für etwas haben, belastet es uns bloß. Indem es unnötig Raum einnimmt oder wir es gar von

A nach B räumen müssen, damit es uns nicht im Weg steht. Deshalb ist es sinnvoll, von Zeit zu Zeit eine kleine Entschlackungskur vorzunehmen und generell gut zu überlegen, was wir eigentlich dauerhaft behalten wollen. Kleiner Tipp dazu: Machen Sie ein Foto von jenen Gegenständen, mit denen Sie besondere Erinnerungen verbinden. Manchmal reicht das schon aus, um die Vergangenheit zu ankern, und sie haben anschließend mehr Platz im Schrank oder anderswo.

Das Prinzip des Ballastabwerfens gilt übrigens nicht nur für Gegenständliches, sondern auch für Gedanken und Gefühle.

Wenn wir zig verschiedene Ideen mit uns herumtragen oder immer wieder an unbeendete Projekte denken müssen, blockieren wir uns schnell selbst – denn die Zeit reicht einfach nicht, um alles umzusetzen. Also lohnt es sich, hier ebenfalls auszusortieren und einen Großteil unserer Vorhaben zumindest zeitweise ad acta zu legen. So können wir uns voll und ganz auf das fokussieren, was aktuell wichtig ist. Und verspüren schneller wieder das motivierende Gefühl, wirklich voranzukommen.

Nehmen Sie sich doch einfach mal die Zeit, um Wichtiges von Unwichtigem zu trennen – äußerlich wie innerlich. Schließlich schadet es ja nicht, es zumindest einmal auszuprobieren.

Bild: By W.carter - Own work, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62264805


Bild: Kette im Wasser

WIE VIEL DARF DIE ANGST BESTIMMEN – UND WIE VIEL WIR SELBST?

Es sind aufwühlende Zeiten. Die Flüchtlingskrise hat in der jüngsten Vergangenheit stark polarisiert und uns vor so manche Herausforderung gestellt – auch und gerade in menschlicher Hinsicht. Parallel dazu hat die Angst vor Terroranschlägen massiv zugenommen. Plötzlich geschieht es nicht mehr nur weit weg, sondern ganz in unserer Nähe. Erst kürzlich war die Rede davon, dass im nächsten Schritt Schnellzüge zum Entgleisen gebracht werden sollen. Und sicherlich wird es sich so mancher nun zweimal überlegen, ob er eine Fahrt bucht oder nicht doch lieber ins Auto steigt. Dabei ist es wie mit dem Fliegen:

Rein statistisch gesehen, ist die Gefahr viel geringer, bei einem Terroranschlag ums Leben zu kommen als bei einem Autounfall.

Ein gewisses Risiko ist natürlich in beiden Fällen vorhanden – aber keines, dem wir mit Angst begegnen sollten. Denn wenn wir uns von unserer Furcht leiten lassen, hat das fatale Auswirkungen auf unsere Lebensqualität. Was machen wir denn, wenn wir jetzt auch noch Angst bekommen, ins Auto zu steigen? Und wo lauert denn noch überall Gefahr? Wenn wir ganz sicher sein wollen, dürften wir das Haus nicht mehr verlassen. Und selbst da sind die Risikofaktoren einfach nicht auszumerzen.

Es ist leicht, Angst zu haben. Doch war sie noch nie ein guter Ratgeber – vielmehr bringt sie uns häufig dazu, entgegen unserem Wissen und unserem Bauchgefühl zu handeln. Deswegen ist es wichtig, ihr nicht zu viel Raum zuzugestehen und stattdessen zu akzeptieren, dass es eine völlige Sicherheit niemals geben kann. Denn so können wir wieder bedacht an Entscheidungen herangehen und uns auf das fokussieren, was wir wirklich in der Hand haben: Was für ein Mensch wir sein wollen und wie wir dem Leben begegnen möchten. Und wenn wir etwas für mehr Sicherheit tun wollen, dann dürfen wir das natürlich – aber bitte wohlüberlegt, sodass wir uns danach wirklich besser fühlen. Und nicht bloß noch mehr Angst haben.

Bild:Dietmar Rabich / Wikimedia Commons / “Haltern am See, Stausee, Anleger -- 2016 -- 2859” / CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons


Bild: Herbstlicher Wald am See

„ANSCHLAG IN LONDON – 11 TOTE“. „MINDESTENS 20 TOTE BEI ANSCHLAG IN BURKINA FASO“. „EINE TOTE BEI AUSSCHREITUNGEN IN CHARLOTTESVILLE“. „VIELE TOTE UND VERLETZTE IN BARCELONA“…

 

Der Tod ist nicht nur ein uns nahes Thema der lokalen Trauerseiten, er schafft es immer öfter auf die Titelseiten der Tageszeitungen. Jeden Tag gibt es Meldungen über Anschläge, Unfälle und Tragödien, die Tote zu beklagen haben.

Manchmal scheinen die Nachrichten ganz nah und manchmal ganz fern. Allen gemein ist, dass die Toten bestattet werden wollen. Es gibt sie also, die Bestatter, die auch in Zeiten solcher Tragödien ihre Arbeit tun und den Konsequenzen dieses Geschehens nicht aus dem Weg gehen können: der Bestattung der Toten und der Trauer der Angehörigen. „Tägliches Brot“ für einen Bestatter, könnte man meinen, aber in besonders tragischen Fällen sicher viel mehr als das!

Im Juni 2015 fuhr ein Konvoi von mehr als 16 Bestatterwagen die toten Schüler des Germanwings-Absturzes zu ihrer letzten Ruhestätte. Ein sehr bewegender Tag auch für die mitfahrenden und begleitenden Bestatter.

Ein solcher Blick auf das Berufsfeld des Bestatters lässt einen respektvoll den Hut ziehen! Und es zeigt einmal mehr, dass der Tod und der Abschied zum Leben gehören – manchmal ganz nah und auch ganz fern.

 

Bild: By-Auquamitzi---Own-work-CC-BY-SA-4.0-httpscommons.wikimedia.org


Bild:Von Diego Delso, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37344897

DEN LETZTEN WILLEN UMSETZEN – AUF NUMMER SICHER GEHEN.

 

Nicht immer wird der letzte Wille so umgesetzt, wie gedacht. Die Gründe dafür sind vielfältig, ein nicht auffindbares Testament ist einer davon.

Wo Menschen ihr Testament aufbewahren, bleibt jedem selbst überlassen, es gibt hierfür keine Vorgaben. Wer aber möchte, dass sein letzter Wille neutral aufbewahrt und auch gefunden wird, kann ihn bei Gericht hinterlegen und registrieren lassen.

 

Die sogenannte Bundesnotarkammer pflegt per staatlichem Auftrag seit 2012 das Zentrale Testamentsregister (ZTR). Dieses Register erfasst die Angaben zu allen Testamenten und erbfolgerelevanten Urkunden, sofern sie beim Gericht oder Notar aufbewahrt werden. Das heißt, dass nicht die tatsächliche Urkunde im Register zu finden ist, wohl aber der verpflichtende Hinweis darauf, dass es ein Testament gibt, wer es verfasst hat und wo es zu finden ist.

Die Verwahrung des Testaments beim Amtsgericht ist Voraussetzung für die Registrierung im ZTR. Aktuell liegen die Gebühren für eine Verwahrung bei Gericht bei 75 Euro, die Registrierung im ZTR kostet zusätzlich 15-18 Euro.

Im Todesfall wird das Zentrale Testamentsregister durch das zuständige Standesamt informiert. Hier gibt es dann schnell die Auskunft darüber, ob erbfolgerelevante Urkunden registriert sind und wo diese verwahrt werden. Das Testament gelangt automatisch über das Amtsgericht zum Nachlassgericht, das wiederum die Hinterbliebenen informiert.

Foto: Von Diego Delso, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37344897


Bild: By Uoaei1 - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=50284353

EINFACH MAL RAUSGEHEN UND DURCHATMEN

 

Die Zeit der ständigen Kälte ist vorbei und schon seit einer ganzen Weile zeigt der Frühling an allen Ecken, wie farbenfroh und facettenreich unsere Welt auch jenseits der HD-Bildschirme sein kann. Sonne und Wärme beleben das Gemüt und bringen uns manchmal sogar so richtig ins Schwitzen. Da ist es dann nicht weiter schlimm, wenn zwischendurch mal eine Wolkenfront aufzieht – ganz ehrlich: Was gibt es denn Angenehmeres als das erfrischende Gefühl von kühlem Sommerregen auf der Haut?

Es ist jedes Mal erstaunlich, was der Wechsel der Jahreszeit bewirken kann. Probleme, die wir den Winter über mit uns herumgetragen haben, können sich im sonnengestärkten Herzen verändern und werden zu Herausforderungen – und zwar zu solchen, die sich bewältigen lassen. Und wenn uns nun etwas umtreibt, dann ist es einfach an der Zeit, einen Schritt vor die Tür zu wagen. Die Füße über Bürgersteige, Feldwege und Wiesen wandeln zu lassen und dem Kopf damit den Raum zu geben, den er braucht. Beim Gehen denkt es sich häufig besser als eingezwängt in der Wohnung oder im Büro. Unter freiem Himmel können sich die Gedanken besser entfalten – was auch wundervoll ist für den kleinen kreativen Schub für zwischendurch. Manchmal reichen dafür schon wenige Minuten.

Und was so leicht in den Hintergrund rückt: einfach mal entspannen. Einige Momente auf der Wiese liegen oder es sich auf einer Parkbank gemütlich machen. Die Sonne durch die geschlossenen Augenlider spüren. Den Kopf freibekommen. Sich etwas Zeit nehmen, um zurückzublicken.

Es klingt vielleicht seltsam – aber auch der stille Gang über den Friedhof kann sehr beruhigend und inspirierend sein. Allein der Gedanke daran, welche Geschichten sich hier verbergen. Dieser Ort hat viel zu erzählen über das, was vor uns war. Und wenn wir ihn schließlich wieder verlassen, haben wir womöglich auch ein geschärftes Bewusstsein für das, was vor uns liegt.

Bild: By Uoaei1 - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=50284353


Bild: Kreative Vierecke

„NEUE WEGE AUF DEM FRIEDHOF!“…

 

ist eine jüngst ins Leben gerufene Initiative und ein ausgeschriebener Wettbewerb des Bundesverbandes Deutscher Steinmetze in Berlin. Dahinter stecken der Wunsch und die Notwendigkeit, unsere Friedhofskultur lebendig - und am Puls der Zeit zu halten. Dem Notstand der Friedhöfe, immer mehr brachliegende Flächen in den Friedhofsplan einzeichnen zu müssen, sollen neue, moderne, zukunftsweisende Ideen entgegengesetzt, der Friedhof als wichtiges kulturelles Gut erhalten werden.

Nominiert wurden sechs Arbeitsgemeinschaften.

Die Arbeitsgemeinschaften: die Kirchhofsverwaltung Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde Berlin, die Hamburger Friedhöfe AöR, die Arbeitsgemeinschaft WBH Hagen, die Friedhofsverwaltung Aschersleben, die Friedhofsverwaltung Nürnberg und die Arbeitsgemeinschaft Friedhofsverwaltung Stadt Essen. Alle Arbeitsgemeinschaften haben jeweils auf ihren Friedhöfen besondere und zukunftsweisende Grabkonzepte, mit besonderer Berücksichtigung der Bevölkerungsstruktur und der regionalen Gegebenheiten. Ein interessantes Potpourri aus gut durchdachten Ideen und Konzepten.

Mehr Information zu dem Wettbewerb und den Teilnehmern unter: http://www.bivsteinmetz.de

„Die Friedhofskultur als besonderes Gut erhalten“, dafür setzen sich mittlerweile alle Friedhofs-Beteiligten sehr engagiert ein, die konfessionellen Träger genauso wie die Kommunen, die Friedhofsverwaltungen, die Steinmetze und die Friedhofsgärtner. Die 2017 geschaffene Initiative „Friedhof Heute“ lädt ein, sich mit den Themen Tod, Trauer und mit der Bestattungs- und Trauerkultur auseinanderzusetzen. www.friedhof-heute.de

„Neue Wege auf dem Friedhof!“ … geht uns alle an. Besuchen Sie doch einmal den Friedhof in Ihrer Nähe und informieren Sie sich über Neues auf Ihrem Friedhof!

Bild: By Tony Webster tonywebster - http://unsplash.com/photos/F9o7u-CnDJk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=58790779


Bild: alte Fabrik

WENN DA PLÖTZLICH DIESE RIESIGE WAND VOR UNS STEHT

 

Wie viel Zeit unseres Lebens verschwenden wir damit, gegen Wände zu laufen? Wenn etwas schiefgeht oder nicht so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben, worauf konzentrieren wir uns dann? Auf das Loslassen und Weitermachen – nun aber auf anderen Wegen? Oder nicht doch vielmehr auf den Schmerz über das Scheitern und den verzweifelten Wunsch nach einer göttlichen Fügung?

Ob es sich um ein verpatztes Bewerbungsgespräch handelt, eine zerbrochene Beziehung oder gar den Verlust eines geliebten Menschen – es dauert meist eine ganze Weile, bis wir die Situation akzeptieren und den Blick wieder öffnen können. Da ist plötzlich diese riesige Mauer vor uns und wir müssen irgendwie hindurch. Also rennen wir dagegen an, wieder und wieder. Aber warum wollen wir überhaupt hindurch? Ist es denn nicht besser, einen Schritt zurückzutreten und einen Weg zu suchen, der an ihr vorbeiführt?

Wir tun weder uns noch anderen einen Gefallen damit, wenn wir der Wut oder dem Schmerz zu viel Raum zugestehen. Wenn wir zulassen, dass sie unser Handeln bestimmen. In den meisten Fällen machen wir es dadurch sogar noch viel schlimmer, steigern uns womöglich mehr und mehr hinein, bis uns die Ereignisse irgendwann vollkommen lähmen. Sicher, es ist schwer, manchmal sogar unmöglich, seine Gefühlswelt zu kontrollieren. Doch wir können es zumindest versuchen, können die Situation zu akzeptieren lernen. Manchmal muss man erst loslassen, um wieder klar sehen zu können. Das braucht Zeit. Doch diese Zeit können wir uns nehmen.

Wenn wir die Dinge selbst nicht ändern können, dann können wir immer noch unseren Umgang mit ihnen verändern. Können uns auf die guten Aspekte konzentrieren, so klein sie auch sein mögen. Aus Fehlern lernen, schöne Erinnerungen bewahren, das wertschätzen, was wir haben. Das hilft vielleicht nur minimal. Aber es ist besser, als gegen Wände zu laufen.

Bild: Von Dietmar Rabich - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=51050967